Der Weg der Wolle – Wanderschäferei zwischen Tradition, Landschaftspflege und Zukunft

Wanderschäferei verbindet Landwirtschaft, Kulturgeschichte und Landschaftspflege. Seit Jahrhunderten ziehen Schäferinnen und Schäfer mit ihren Herden zwischen unterschiedlichen Weideflächen. Diese Form saisonaler Weidewirtschaft wird als Transhumanz bezeichnet.

Schafe liefern dabei nicht nur Wolle. Durch ihre Beweidung können sie offene Landschaften erhalten, Samen transportieren und – beispielsweise auf Deichen – zur Pflege einer dichten Grasnarbe beitragen.

Schafe bei der Deichpflege – Wanderschäferei und Schurwolle

Was bedeutet Wanderschäferei?

Bei der Wanderschäferei werden Herden zwischen verschiedenen Weidegebieten geführt. Historisch war diese Form der Tierhaltung in vielen Teilen Europas verbreitet. Die saisonale Bewegung von Menschen und Nutztieren zwischen verschiedenen geografischen oder klimatischen Regionen wird als Transhumanz bezeichnet.

Sie ist mehr als eine historische Wirtschaftsform: Sie verbindet Kenntnisse über Tiere, Weiden, Wasser, Wetter und Landschaft mit regionalen Traditionen und handwerklichem Wissen.

Gut zu wissen: Die saisonale Transhumanz wurde 2023 für mehrere europäische Länder in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.

Wie prägen Schafe Kulturlandschaften?

Viele Heideflächen, Magerrasen, Bergweiden oder andere offene Landschaften sind über lange Zeit durch Beweidung mitgeprägt worden. Ohne regelmäßige Nutzung können solche Flächen zunehmend verbuschen oder sich bewalden.

Schafe fressen Gräser, Kräuter und junge Gehölze und können dadurch dazu beitragen, offene Flächen zu erhalten. Gleichzeitig werden Samen über Fell und Klauen weitergetragen.

Offenhaltung von Flächen

Beweidung kann dabei helfen, bestimmte Wiesen-, Heide- und Magerrasenflächen offen zu halten. Welche Wirkung erzielt wird, hängt von Standort, Tierzahl und Weidemanagement ab.

Biotopverbund

Mit wandernden Herden können Samen und kleine Pflanzenteile zwischen verschiedenen Flächen transportiert werden. Auf diese Weise können Weiderouten Landschaftsräume miteinander verbinden.

Deichpflege

An Nord- und Ostseeküste werden Schafe traditionell zur Beweidung von Deichen eingesetzt. Ihr Tritt und das kurze Abweiden unterstützen die Pflege einer geschlossenen Grasnarbe.

Erhalt alter Nutztierrassen

Schäfereibetriebe können zugleich zur Nutzung und Erhaltung regionaler beziehungsweise seltener Schafrassen beitragen.

Wanderschäferei heute: zwischen Tradition und Wirtschaftlichkeit

Wanderschäferei ist arbeitsintensiv. Die Betreuung der Herden, lange Weidewege, Tiergesundheit, Zäune, Verkehr und Flächenzugänge stellen Betriebe vor erhebliche organisatorische Anforderungen.

Zusätzlich ist Rohwolle für viele Schäfereien wirtschaftlich nur ein kleiner Teil der Einnahmen. Landschaftspflege, Vertragsnaturschutz und regionale Vermarktungsmodelle spielen deshalb für zahlreiche Betriebe eine wichtige Rolle.

Statt pauschal von einer „nachhaltigen“ Wirtschaftsform zu sprechen, ist es sinnvoller, die konkrete Leistung zu betrachten: Extensive Beweidung kann – bei passendem Management – zur Pflege bestimmter Kulturlandschaften und Lebensräume beitragen.

Schurwolle: ein vielseitiger natürlicher Rohstoff

Schurwolle wird bei der regelmäßigen Schur lebender Schafe gewonnen. Je nach Rasse, Faserfeinheit und Verarbeitung kann sie für sehr unterschiedliche Produkte eingesetzt werden.

  • Bettdecken und Kissen
  • Kleidung und Heimtextilien
  • Teppiche und Filzprodukte
  • Dämmmaterialien
  • Garten- und Landwirtschaftsprodukte wie Wollpellets

Für Bettwaren ist besonders interessant, dass Wollfasern Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben können. Gleichzeitig besitzt Wolle eine gute Wärmeisolierung. Diese Materialeigenschaften machen sie für Bettdecken und Unterbetten interessant.

Wichtig: Aussagen wie „ökologisch“ oder „nachhaltig“ sollten immer auf das konkrete Produkt bezogen werden. Herkunft, Tierhaltung, Verarbeitung, Transportwege und Zertifizierungen können sich deutlich unterscheiden.

Schurwolle bei purNatour

Bei unseren Naturbettwaren geben wir Herkunft, Materialzusammensetzung und vorhandene Zertifizierungen jeweils direkt am Produkt an. Bei entsprechend gekennzeichneten Bio-Produkten stammt die verwendete Wolle beispielsweise aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT).

Dadurch können Sie selbst nachvollziehen, welche Materialqualität und Herkunft für die jeweilige Bettdecke angegeben ist.

Wie kann man regionale Schäferei unterstützen?

Wer regionale Schäfereien unterstützen möchte, kann beim Einkauf gezielt auf Herkunft und Verarbeitung achten. Entscheidend ist nicht allein der Begriff „Naturprodukt“, sondern woher das Material stammt und wie es verarbeitet wurde.

  • Herkunftsangaben und Zertifizierungen prüfen
  • regionale Wollprodukte bevorzugen, wenn dies zum eigenen Bedarf passt
  • Produkte möglichst lange nutzen und sorgfältig pflegen
  • regionale Schäfereien und Landschaftspflegeprojekte unterstützen

Fazit: Wanderschäferei verbindet Naturmaterial, Landschaft und Kultur

Wanderschäferei ist eine jahrhundertealte Form der Tierhaltung, die bis heute Landschaften und regionale Kultur mitprägen kann. Gleichzeitig liefert die Schafhaltung mit Schurwolle einen vielseitigen natürlichen Rohstoff.

Für einen bewussten Einkauf lohnt sich jedoch immer der Blick auf das konkrete Produkt: Herkunft, Tierhaltung, Verarbeitung und Zertifizierung sind aussagekräftiger als pauschale Umweltbegriffe.