Plastikfrei im Schlafzimmer: 5 Ideen zum Nachmachen

Plastikfrei leben – in Küche und Bad ist die Idee längst angekommen. Aber wie sieht es eigentlich im Schlafzimmer aus? Auch dort begegnen uns Kunststoffe an vielen Stellen: in Bettwaren, Möbeln, Wohnaccessoires, Farben, Vorhängen und Bodenbelägen.

Ein vollständig kunststofffreies Schlafzimmer ist im Alltag nicht für jeden realistisch – und auch nicht automatisch die beste Lösung. Wer seinen Kunststoffverbrauch reduzieren möchte, kann aber bewusst auswählen und an vielen Stellen auf natürliche, langlebige oder wiederverwendbare Materialien setzen.

Wir haben fünf Ideen zusammengetragen, mit denen sich das Schlafzimmer Schritt für Schritt natürlicher gestalten lässt.

Plastikfreies Schlafzimmer mit Holz und natürlichen Materialien

Warum überhaupt weniger Plastik im Schlafzimmer?

Kunststoffe sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Sie können leicht, langlebig und für bestimmte Anwendungen ausgesprochen sinnvoll sein. Gleichzeitig werden viele Kunststoffe aus fossilen Rohstoffen hergestellt und ihre Entsorgung und Wiederverwertung kann problematisch sein.

„Plastikfrei“ sollte deshalb nicht bedeuten, sämtliche Kunststoffe möglichst schnell wegzuwerfen und durch neue Produkte zu ersetzen. Das wäre häufig sogar das Gegenteil eines ressourcenschonenden Umgangs.

Sinnvoller ist es, vorhandene Produkte möglichst lange zu nutzen und bei notwendigen Neuanschaffungen genauer hinzusehen: Welches Material brauche ich wirklich? Wie langlebig ist das Produkt? Kann es repariert werden? Und gibt es eine geeignete Alternative?

Unser Ansatz: Weniger Plastik bedeutet nicht automatisch „alles neu kaufen“. Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Materialqualität und eine möglichst lange Nutzung vorhandener Produkte gehören ebenfalls zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen.

1. Kissen und Bettdecken mit natürlichen Füllungen

Wissen Sie eigentlich genau, unter welchem Material Sie schlafen? Viele Bettdecken, Kissen und Matratzen enthalten synthetische Fasern oder Schäume. Häufig kommen dabei beispielsweise Polyesterfasern zum Einsatz.

Wer Kunstfasern reduzieren möchte, findet heute zahlreiche Bettwaren mit natürlichen Füllmaterialien.

Dazu gehören beispielsweise Schurwolle, Kamelhaar, Alpaka, Baumwolle, Hanf und Leinen. Auch Lyocell beziehungsweise TENCEL™ wird aus cellulosebasiertem Ausgangsmaterial hergestellt.

Die verschiedenen Materialien unterscheiden sich deutlich in Wärmehaltung, Gewicht, Feuchtigkeitsmanagement, Pflege und Schlafgefühl.

Deshalb sollte die Entscheidung nicht nur nach dem Kriterium „natürlich“ getroffen werden. Entscheidend ist, welches Material zum persönlichen Wärmebedarf und zur jeweiligen Jahreszeit passt.

Einen Überblick finden Sie beispielsweise in unserem Ratgeber zur richtigen Bettdecke für jede Jahreszeit .

2. Zimmerpflanzen statt vieler Kunststoff-Accessoires

Bilderrahmen, Dekoelemente, Kunstpflanzen, Boxen und andere Wohnaccessoires bestehen häufig zumindest teilweise aus Kunststoff. Wer reduzieren möchte, kann bei der Gestaltung des Schlafzimmers bewusst auf weniger Dekoration und natürliche Materialien setzen.

Zimmerpflanzen können dabei ein schönes Gestaltungselement sein. Töpfe und Übertöpfe gibt es beispielsweise aus Keramik, Terrakotta oder Metall sowie Pflanzenkörbe aus Naturfasern.

Die Vorstellung, einige wenige Zimmerpflanzen würden nachts die Raumluft entscheidend mit Sauerstoff anreichern oder Schadstoffe aus einem Schlafzimmer „herausfiltern“, sollte allerdings nicht überbewertet werden.

Pflanzen sind vor allem eines: ein lebendiges Gestaltungselement, das viele Menschen als angenehm empfinden.

Welche Pflanzen sich fürs Schlafzimmer eignen und was hinter bekannten Aussagen über Aloe Vera, Bogenhanf & Co. steckt, behandeln wir ausführlich in unserem eigenen Ratgeber über Zimmerpflanzen im Schlafzimmer.

3. Wandfarben bewusst auswählen

Wer ein Schlafzimmer renoviert, beschäftigt sich häufig zuerst mit dem Farbton. Mindestens genauso interessant ist aber die Zusammensetzung der Farbe.

Wandfarben bestehen je nach Produkt aus unterschiedlichen Bindemitteln, Pigmenten, Füllstoffen und weiteren Bestandteilen. Pauschale Aussagen wie „herkömmliche Wandfarbe ist voller Plastik“ greifen deshalb zu kurz.

Wer Wert auf eine möglichst geringe Belastung der Innenraumluft legt, kann insbesondere auf emissionsarme Produkte achten.

Orientierung können entsprechende Produktdeklarationen und Umweltzeichen geben. Für besonders emissionsarme Innenwandfarben existieren beispielsweise Kriterien des Blauen Engels.

Kalk- und Silikatfarben

Wer sich bewusst mit mineralischen Alternativen beschäftigen möchte, stößt häufig auf Kalk- und Silikatfarben.

Aber auch hier lohnt sich der genaue Blick auf das konkrete Produkt: Nicht jede Farbe, die mit einem mineralischen Begriff beworben wird, besitzt automatisch die gleiche Zusammensetzung.

4. Fensterverdunklung mit natürlichen Materialien

Für viele Menschen gehört ein guter Sicht- und Lichtschutz unbedingt zum Schlafzimmer.

Auch hier lassen sich Kunststoffe reduzieren. Vorhänge aus Baumwolle oder Leinen sind beispielsweise eine Möglichkeit. Je nach Einrichtung kommen außerdem Holzjalousien oder Rollos aus natürlichen Materialien infrage.

Allerdings sollte auch hier die Funktion berücksichtigt werden. Wer eine besonders starke Verdunklung oder einen wirksamen sommerlichen Wärmeschutz benötigt, sollte nicht allein nach dem Material auswählen.

Mehr dazu finden Sie in unserem Ratgeber Sonnenschutz fürs Schlafzimmer: 7 Ideen gegen Sommerhitze .

5. Bettgestell aus Holz oder Metall

Auch beim Bettgestell gibt es große Unterschiede in Aufbau und Materialmix. Neben Polster- und Boxspringbetten stehen beispielsweise Konstruktionen aus Massivholz oder Metall zur Auswahl.

Wer Kunststoffe möglichst reduzieren möchte, kann bei einem neuen Bett auf eine überschaubare Materialkombination und eine transparente Deklaration achten.

Bei Holz lohnt sich zudem die Frage nach Herkunft, Verarbeitung und Oberflächenbehandlung.

Massivholzmöbel können bei entsprechender Konstruktion und Pflege über viele Jahre genutzt und teilweise repariert oder aufgearbeitet werden.

Es gibt sogar traditionelle Bettkonstruktionen, bei denen Holzverbindungen und Keile einen Teil der sonst üblichen Verbindungselemente ersetzen.

Muss wirklich alles aus Massivholz sein?

Nein. „Natürlich“ und „gut“ beziehungsweise „synthetisch“ und „schlecht“ sind keine sinnvollen Pauschalkategorien.

Auch bei Holzwerkstoffen, Lacken, Klebstoffen und Beschichtungen gibt es erhebliche Unterschiede. Umgekehrt kann ein langlebiges Produkt mit einzelnen Kunststoffbestandteilen unter Umständen ressourcenschonender sein als ein Produkt, das nach kurzer Zeit ersetzt werden muss.

Bei Möbeln empfiehlt es sich deshalb, neben dem Ausgangsmaterial auch auf Verarbeitung, Emissionen, Haltbarkeit und Reparierbarkeit zu achten.

Secondhand statt neu kaufen

Einer der einfachsten Wege, Ressourcen zu schonen, besteht darin, vorhandene Dinge länger zu verwenden.

Ein gebrauchter Nachttisch, eine aufgearbeitete Kommode oder ein vorhandenes Bettgestell müssen nicht ersetzt werden, nur weil sie nicht vollständig plastikfrei sind.

Gerade hochwertige Möbel lassen sich häufig reparieren, neu behandeln oder weitergeben.

Plastik reduzieren bei Matratzen

Bei Matratzen wird das Thema etwas komplexer. Viele Modelle bestehen aus synthetischen Schäumen, während andere beispielsweise Naturlatex als Kernmaterial verwenden.

Naturlatex wird aus dem Milchsaft des Kautschukbaums gewonnen. Wichtig ist allerdings die genaue Materialdeklaration: Nicht jede als „Latexmatratze“ bezeichnete Matratze besteht ausschließlich aus Naturlatex.

Mehr über den Rohstoff und die unterschiedlichen Matratzenkonstruktionen erfahren Sie in unserer Warenkunde Naturlatex .

5 einfache Schritte für weniger Plastik im Schlafzimmer

  • Vorhandene Möbel und Bettwaren möglichst lange nutzen.
  • Bei Neuanschaffungen die Materialzusammensetzung prüfen.
  • Langlebige und reparierbare Produkte bevorzugen.
  • Bei Textilien natürliche Materialien als Alternative prüfen.
  • Secondhand, Reparatur und Wiederverwendung mitdenken.

Fazit: Plastikfrei muss kein Alles-oder-nichts-Projekt sein

Ein Schlafzimmer muss nicht von heute auf morgen vollständig plastikfrei werden. Oft ist es sinnvoller, Schritt für Schritt vorzugehen und Neuanschaffungen bewusst zu hinterfragen.

Bettwaren mit natürlichen Füllungen, langlebige Möbel, Textilien aus Naturfasern und bewusst ausgewählte Farben und Wohnaccessoires können Möglichkeiten sein, den Kunststoffanteil im Schlafzimmer zu reduzieren.

Gleichzeitig gilt: Was bereits vorhanden und funktionsfähig ist, muss nicht allein wegen seines Materials entsorgt werden. Langlebigkeit und bewusster Konsum gehören ebenso zu einem ressourcenschonenden Schlafzimmer.

Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag basiert auf dem ursprünglichen journalistischen purNatour-Artikel „Plastikfrei im Schlafzimmer: 5 Ideen zum Nachmachen“. Die fünf ursprünglichen Ideen und die journalistische Grundstruktur wurden erhalten und fachlich aktualisiert.

  • Ursprünglicher journalistischer purNatour-Beitrag: Plastikfrei im Schlafzimmer: 5 Ideen zum Nachmachen.
  • Umweltbundesamt: Gesund und umweltfreundlich einrichten. Informationen zu Möbeln, Materialien, Innenraumluft, Langlebigkeit und Umweltzeichen.
  • Umweltbundesamt: Gesund und umweltfreundlich renovieren. Informationen zu Wandfarben, Lacken, Lösemitteln und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).
  • Umweltbundesamt: Kriterien und Hinweise zu emissionsarmen Innenwandfarben und dem Umweltzeichen Blauer Engel.
  • Umweltbundesamt: Informationen zu langlebigen, reparierbaren und ressourcenschonenden Möbeln sowie Secondhand-Nutzung.

Hinweis: Die Umwelt- und Materialeigenschaften eines Produktes lassen sich nicht allein aus Begriffen wie „natürlich“, „plastikfrei“ oder „aus Holz“ ableiten. Entscheidend sind das konkrete Material, die Verarbeitung, Haltbarkeit, Herkunft und – soweit vorhanden – nachvollziehbare Produktinformationen und Zertifizierungen.