Kunstfasern oder Natur pur

Wunderbar natürliche Alternativen für Matratze, Bettdecke und Kissen


Kennen Sie das Sprichwort „Wie man sich bettet, so liegt man“? Tatsächlich tragen Matratzen, Bettdecken und Kissen zum persönlichen Wohlbefinden während der Nacht bei. Umso schöner, wenn man auf erdölbasierte Kunstfasern verzichtet.

Es gibt kaum etwas, auf das Sie sich am Abend mehr freuen als ein kuscheliges Bett? Damit sind Sie nicht allein, immerhin trägt ein erholsamer Schlaf zu einem ausgeruhten Start in den nächsten Tag bei. Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, in welchen Materialien Sie eigentlich Nacht für Nacht schlafen? Bettdecken, Matratzen und Wäsche bestehen häufig aus fein gesponnenen Plastikfasern, die unter anderem aus dem fossilen Rohstoff Erdöl gefertigt werden. Unter dem Begriff Polyester sind sie vielen ein Begriff.

Was ist Polyester?
Polyester ist eine synthetische Faser, die in der Mode, Design und Inneneinrichtung immer beliebter wird. Mittlerweile wird zum Beispiel die Hälfte aller weltweiten Textilien aus Polyester gefertigt. Die Produktion steigt Jahr für Jahr. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Kunstfaser Polyester ist reißfest, hält lange und lässt sich zu vielfältigen Produkten verarbeiten.
Unschlagbar ist auch der Preis. Denn gegenüber Produkten aus natürlichen Materialien ist die synthetische Faser deutlich günstiger. Ein Effekt, den sich die Textilbranche und Modeindustrie zunutze machen. Ob saisonale Kleidungsstücke, trendige Bettwäsche oder Pyjamas und Co.: Allzu häufig landen sie frühzeitig auf Deponien, Müllverbrennungsanlagen oder gleich im Meer. Zwar ließe sich Polyester recyceln. Doch der Prozess ist aufwendig, kostet Geld und auch ein flächendeckendes Rücknahmesystem ist bis heute nicht etabliert. Weniger Wegwerfindustrie und mehr umsichtiger Konsum wären die ersten Schritte in eine umweltbewusstere Richtung.

Drei Fakten rund um die Kunstfasern

Polyester basiert auf Erdöl

Die Krux an Polyester: Die künstlichen Fasern basieren auf Erdöl und zahlreichen Zusatzstoffen - ein fossiler Rohstoff, für dessen Aufbereitung man viel Wasser und noch mehr Energie braucht – und der für signifikante Treibhausgase sorgt. Rund 706 Milliarden Kilogramm CO2-Äquivalente erzeugte 2015 allein die Produktion von Polyesterfasern, welche mit 60 Prozent den größten Teil der Kunstfasern bildet. Das entspricht in etwa dem Ausstoß von 185 Kohlekraftwerken pro Jahr oder der Menge CO2, die 234 Millionen Hektar Wald speichern würden – eine Fläche so groß wie Algerien!

Polyester erzeugt Mikroplastik
Eines der großen Probleme rund um synthetische Bettdecken und Nachtwäsche: Bei jeder Wäsche lösen sich kleinste Fasern und gelangen als Mikroplastik ins Abwasser. Kläranlagen sind bis heute allerdings nicht in der Lage, diese Partikel aus dem Wasser zu filtern. Die Folge: Das Mikroplastik gelangt in Gewässer, wo es von Tieren aufgenommen wird und zum Menschen zurück in die Nahrungskette gelangt. Ein weiterer Aspekt, der für noch mehr Belastungen sorgt: Mikroplastik zieht andere Schadstoffe an, die sich auf dem Material anreichern und ebenfalls von den Tieren aufgenommen werden.
Tipp: Für die Waschmaschine existieren mittlerweile Lösungsansätze wie den „Guppy Friend“ Waschbeutel, der Kunstfasern beim Waschen zurückhalten soll.

Polyester riskiert gesundheitliche Beschwerden
Wer im Bett aus Kunstfasern nächtigt, verschwendet in der Regel kaum einen Gedanken daran, unter welchen gesundheitlichen Risiken die Kunstfasern produziert werden. Doch genau die sind nicht unerheblich: Rund 94 Prozent der Fasern werden heute in Asien produziert und verarbeitet, allen voran China. Vorrangig arbeiten Frauen in der Textilindustrie – und sind dabei gesundheitlichen Folgen ausgesetzt, die im Zusammenhang mit dem Bearbeiten der Fasern beobachtet wurden, und Chemikalien wie Flammschutzmittel für Matratzen oder Farbstoffe für Bettwäsche. Oft gelangen die Stoffe sogar ins Abwasser.

Alternativen zur Synthetikfaser
Wer rund ums Bett in neue Produkte investieren möchte, sollte vor dem Kauf einen sorgfältigen Blick in die Inhaltsstoffe werfen. Doch welche Alternativen sind bei Matratzen, Bettdecken oder Nachtwäsche möglich?
Die wichtigsten Stoffe im Überblick:
  • Biologische Baumwolle (Organic Cotton): Sie benötigt wenig Wasser und verzichtet weitestgehend auf Pestizide.
  • Lyocell und Tencel: Beide werden aus Zellulosefasern auf Basis von Zellstoff (Baumrinde) hergestellt und gelten als neue Generation der mittlerweile wegen des hohen Chemikalieneinsatzes nicht mehr umweltfreundlich geltenden Viskose. Modal basiert ebenfalls auf Zellulose und wird ökologisch ohne giftige Lösungsmittel produziert. Selbst im Sortiment großer Marken findet man die Stoffe mittlerweile.
  • Auch Hanf, Kapok oder auch Leinen sind umweltfreundlichere Materialien, auch wenn immer auf die ökologische und regionale Herstellung geachtet werden sollte.
  • Regionale Wollprodukte wie Schurwolle oder Alpakawolle sind besonders zu empfehlen. Ihre Fasern sind langlebig, zu 100 Prozent biologisch abbaubar und dienen seit Jahrtausenden als zuverlässiger, natürlicher Wärmespender. Wollprodukte und Bettdecken aus Schurwolle haben außerdem eine wunderbare Wärmeleistung und Feuchtigkeitsregulation.
Tipp: Konventionelle Baumwolle ist übrigens ebenfalls mit Vorsicht zu genießen: Denn die konventionelle Produktion verbraucht sehr viel Wasser und belastet Böden mit Pestiziden.
 
Kunst- und Biofasern in der Kurzübersicht

Beispiele für synthetische Fasern:
  • Polyester:  Thermolite, Polartec, Trevira, Diolen, Polarguard
  • Polyacryl:  Orlon, Dralon, Dolan
  • Polyamid Nylon, Antron, Perlon, Tactel, Grilon, Dederon
  • Elasthan:  Lycra, Spandex, Dorlastan
  • Acetat:  Kunstseide (halbsynthetisch, aber kaum biologisch abbaubar)
     
Beispiele für biobasierte, halbsynthetische Fasern:
  • Viskose: aus Holzfasern (auch Bambus)
  • Modal: aus Buchenholzfasern
  • Lyocell/Tencel: aus Holzfasern
 
Naturfasern im Überblick:
  • Biobaumwolle
  • Wolle
  • Seide
  • Leinen
  • Hanf
 
Fazit
Sie sehen: Es gibt zahlreiche Gründe und zahlreiche Möglichkeiten, sich während der Nacht mit Matratzen, Bettdecken und Kissen aus Naturfasern zu umgeben. Auf Erdöl können wir bei Bettdecke & Co. mittlerweile gut und gerne verzichten. Schauen Sie doch gleich einmal in unseren Shop und stöbern in unserem großen Warensortiment handgefertigter Bettwaren aus regionalen Stoffen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern.

Mit grünvergnügten Grüßen,
Ihr purNatour-Team


 

 
Quellen zum Weiterlesen
Plastikatlas 2019
Utopia
Smarticular
Future Fashion Freundeskreis
 
Quellen:
https://www.bund-stuttgart.de/muster-und-vorlagen/default-1d29b03459/meldungen/detail/news/kleidung-aus-erdoel/